SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Mengel Stellungnahme der SPD-Fraktion
Die Wiederinbetriebnahme der Schlossbergklinik mit 60 Betten und der Option zur Erweiterung auf 90 Betten hat zu lebhaften und teilweise kritischen Diskussionen insbesondere der Anwohner in unserer Stadt geführt. Die Stadträte der SPD-Fraktion im Staufener Gemeinderat möchten mit dieser Stellungnahme ihre Standpunkte erklären:
Vorbemerkungen:
Die Schlossbergklinik befindet sich in Privatbesitz. Die Stadt Staufen ist nicht Eigentümerin der Immobilie, kann jedoch über ihre Kommunalpolitik die Nutzung der Klinik beeinflussen. Bei allen politischen Entscheidungen müssen u.E. die Parameter Wirtschaftlichkeit, Landschafts- und Naturschutz, Verkehrsaufkommen, Parkplatzsituation, Anliegerinteressen Nachhaltigkeit Wirtschaftsförderung und Arbeitsplätze sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
- 1. Wirtschaftlichkeit
Der bisherige Werdegang der heutigen Schlossbergklinik zeigt, dass die wirtschaftliche Nutzung dieser Immobilie eine Herausforderung darstellt. Um so mehr ist zu begrüßen, dass sich mit dem Interessenten Christophsbad ein potentieller Investor gefunden hat, der über 150 Jahre Erfahrung im Klinikbetrieb verfügt und somit in der Lage sein sollte ein wirtschaftlich tragfähiges Klinikkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Es ist in unseren Augen verständlich, dass der Investor auf die Option zur Erweiterung der Klinik auf 90 Betten besteht, um die langfristige Rentabilität des Klinikbetriebs zu sichern.
- 2. Landschafts- und Naturschutz
Auch als leerstehendes Gebäude belastet die Schlossbergklinik das Landschaftsbild. Eine Wiederaufnahme des Klinikbetriebs ändert daran nichts. Für die umgebende Natur ist keine größere Beeinträchtigung zu erwarten, wie es bei bisherigen Nutzungen der Fall war. Bei Erweiterungsmaßnahmen ist darauf zu achten, dass die Sichtbarkeit des Gebäudes (insbesondere aus der Rheinebene) nicht zunimmt. Der Stadtbild e.V. hat hierzu wertvolle Anregungen gegeben, die wir unterstützen. Anstrengungen des Investors, die gesamte Fassade so zu gestalten, dass sie weniger vor dem Waldhintergrund hervorsticht, sind anzustreben. Der Flächenverbrauch für Erweiterungen ist zu minimieren.
- 3. Verkehrsaufkommen, Parkplatzsituation, Anliegerinteressen
Die fehlenden Parkplätze stellten das Hauptärgernis beim bisherigen Betrieb der Schlossbergklinik dar. Der Investor dringt daher begrüßenswerterweise auf die Einrichtung ausreichender Parkplätze. Der vorgelegte erste Entwurf hätte dazu ca. 6.000m2 Waldfläche verbraucht. Der Investor ist Anregungen gefolgt und hat mit seinem zweiten Entwurf die benötigte Waldfläche halbieren können. Die entstehenden Mehrkosten für den zweiten Entwurf im 6stelligen Bereich ist er bereit zu tragen, was die Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen unterstreicht, zu einem für alle tragfähigen Kompromiss zu kommen. Der Klinikbetrieb wird zu einer Zunahme des Verkehrs im Bereich Bötzen führen. Wir bedauern den Ärger für die Anwohner, sehen aber keine unverhältnismäßige Belastung. Realistische Schätzungen gehen ca. 300 Fahrzeugbewegungen (bei 90 Betten-Betrieb) zusätzlich aus, die sich über einen Zeitraum von mehr als 12 Stunden erstrecken, im Schnitt also weniger als eine zusätzliche Fahrzeugbewegung pro zwei Minuten. Die vergleichbar breite Straße „Im Steiner“ und ihre Anwohner verkraften ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen. Auf der Bötzenstraße streben wir eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20km/h an. Eventuell muss das Parken durch Anlegen von Parkbuchten geregelt werden. Der Rothofweg soll durch eine Tonnagebeschränkung vor zu großen Fahrzeugen geschützt werden. Gegebenenfalls müssen 2-3 Ausweichbuchten installiert werden.
- 4. Nachhaltigkeit
Die Endlichkeit unserer Ressourcen stellt die schmerzhafte Erkenntnis unserer Zeit dar. Die nachhaltige Bewirtschaftung ist daher das Gebot der Stunde. Angesichts dieser Tatsache stellt der Leerstand einer funktionsfähigen Klinik eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen dar, die nicht zu verantworten ist.
- 5. Wirtschaftsförderung
Investitionen, Klinikbetrieb, Patienten und deren Angehörige tragen zusätzliche Kaufkraft in Millionenhöhe in unsere Region, von der Handel, Handwerk und mittelständische Betriebe in unserer Stadt profitieren. Wir rechnen mit einer Belebung der Innenstadt, die sich besonders zu Zeiten mit schwächerem Tourismus positiv bemerkbar machen wird.
- 6. Arbeitsplätze
Pro Patient ist mit der Schaffung eines zusätzlichen Arbeitsplatzes zu rechnen. Es handelt sich größtenteils um qualifizierte Stellen mit Berufsausbildung oder gar akademischer Ausbildung. Es bietet sich die womöglich einmalige Chance den schmerzlichen Verlust von 100 Arbeitsplätzen in unserer Stadt zumindest teilweise wieder auszugleichen.
Fazit
Unter Einbeziehung aller Gesichtspunkte halten wir die derzeitigen Planungen von Baumaßnahmen zur Wiederinbetriebnahme der Schlossbergklinik als Klinik für Psychosomatische Medizin für gut und unterstützen sie, wobei wir eine – vernünftige Planung vorausgesetzt – Erweiterung auf 90 Betten mittragen werden. Wird dieses Projekt nicht realisiert, so ist das schädlich für Staufen und unsere Region. Die Zukunft des Gebäudes bleibt auf unabsehbare Zeit infrage gestellt.
Sehen Sie das anders? Wir bedanken uns ausdrücklich für konstruktive Kritik und möchten sie ermuntern, konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Sollten sie Interesse an einem direkten Gespräch mit unserer Fraktion haben, so wenden sie sich bitte an unseren Fraktionssprecher Thomas Mengel (T. 500493, Mail th.mengel(at)t-online.de) oder an jedes andere Mitglied unserer Fraktion.
Staufen, den 11. Mai 2010
Dr. Thomas Mengel, Volker Siehr, Wolfgang Petter